ausgewachsene Schalen – Klauenrehe

Zu sehen sind Bilder eines Hegeabschusses einer uralten Ricke (man beachte mal den Zahnstatus) – der markanteste Befund waren jedoch die langgewachsenen Schalen. Dazu kann es unter anderem kommen, wenn bei dauerhaft zu weichem Boden (oder stark verminderter Aktivität) die nötige Abnutzung fehlt – aber auch an eine Klauenrehe muss man differentialdiagnostisch denken.

Die Ursachen sind vielfältig, es gibt die klassische Futterrehe, Belastungs-, Geburts- oder Vergiftungsrehe, außerdem kann sie als Folge- oder Begleitkrankheit einer anderen Primärerkrankung auftreten. Bei Nutztieren können desweiteren auch bestimmte Medikamente eine Rehe auslösen.

Bei der futterbedingten Klauenrehe kommt es durch besonders kohlenhydratreiche Ernährung zu einer Änderung der Mikroflora im Verdauungstrakt und zu einem Anstieg der milchsäurebildenden Bakterien, was in einem starken pH-Abfall resultiert. In der Folge sterben wiederum andere Bakterien ab und setzen dabei Endotoxine frei. Diese bewirken eine Gefäßkontraktion und Kapillarschädigung vornehmlich in der Lederhaut. Diese kann dadurch nicht mehr ausreichend versorgt werden (1) und zusätzlich kommt es noch zu einer Ödematisierung (Schwellung, Einlagerung von Flüssigkeit), welche hochgradig schmerzhaft ist. Die Klauen werden auf Grund der Schmerzen entlastet und können sich nicht mehr normal abnutzen. In Folge der pathologischen Veränderungen kommt es zu einem fehlerhaften Hornwachstum, bei einer chronischen Rehe kann man die typischen Reheringe erkennen und die ansonsten gestreckte Vorderwand wird konkav.

Auch bei den anderen Reheformen kommt es letztendlich zu Mikrozirkulationsstörungen in der Lederhaut – mit den genannten Folgen.

Bei der näheren Untersuchung zeigten sich mir eine degenerierte Niere, ein verklebter Lungenflügel (bei einer Entzündung produzieren Wiederkäuer besonders viel von dem Protein Fibrin, welches Verklebungen auslöst) und verkümmerte Muskulatur. Wenn man sich die Filets anschaut erkennt man, dass die Ricke eine Seite beim Laufen stärker geschont hat. Außerdem war das Stück hochgradig abgemagert und wies keinerlei Organfett auf.

Den folgenden Winter hätte die Ricke vermutlich nicht überlebt…

(1) Die oft folgenden Nekrosen sind besonders dramatisch, da die Wandlederhaut mit seiner Blättchenstruktur wie ein Reißverschluss wirkt und das Klauenbein mit der Wand verbindet. Löst sich wegen der Rehe diese Verbindung, kann es zum Durchbruch des Klauenbeins kommen (begünstigt auch durch den entgegengesetzten Zug der tiefen Beugesehne) oder gar zum sogenannten Ausschuhen.

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